Realität ist nur Krampf, im Klassenkampf!

Gerhard Hanloser, eifriger Kritiker der Antideutschen, hat mal wieder ein Büchlein geschrieben, zusammen mit Karl Reitter. Es heißt „Der bewegte Marx“ und in diesem geht es um eine andere Lesart von Marx, „die nicht auf der zirkulationsmarxistischen Ebene der Tauschverhältnisse verbleibt, sondern bis zu den Bedingungen der Produktion und des Klassenkampfes vordringt.“ Ersteres wird der Wertkritik gelegentlich vorgworfen (Ich gehe davon aus dass Zirkulationsmarxismus und Wertkritik identisch sind?) .
Auf der Seite des Unrast Verlages ist auch eine Leseprobe, durch welche mensch sich eine Eindruck machen kann was einem in dem mit 64 Seiten nicht gerade dicken Buch erwartet. Ich habe es zwar noch nicht gelesen (was ich da es nicht so dick ist aber vllt nochmal nachholen werde), werde mich aber an einer kurzen Kritik der von mir angenommenen Intention des ganzen versuchen.
Es macht den Eindruck, als solle der Klassenkampf in der Theorie gerettet werden um ihn in der Realität wieder herzustellen.
the emotional marx
Nach Hanloser und Reitter ist es ein „Fehlurteil“, dass der Kapitalismus „über den Warentausch vergesellschaftet“ sei. Und „erst der Perspektivwechsel zur Produktion und zum Klassengegensatz enthüllt die konstituierenden Elemente des Kapitalismus: Gleichheit und Freiheit schlagen um in Ungleichheit und Gewalt, der Äquivalententausch in die Aneignung unbezahlter Mehrarbeit, die Statik der Zirkulation in die Dynamik der Produktion. Erst im Zuge dieser Analyse entfaltet Marx die Begriffe Kapital und Proletariat. Die kapitalistische Produktionsweise in »reiner Form« analysiert, erweist sich als Darstellung einer reinen Dynamik. Die in sich ruhende, negative Vergesellschaftung, wie sie sich auf der Zirkulationsebene zeigt, schlägt in die irreversiblen Prozesse der Entwicklung der Produktivkraft und der Reduktion der notwendigen Arbeitzeit um.“
Damit ist das Proletairat gerettet und der Klassenkampf kann losgehen. Ich denke abgesehen von theorischen Unterschieden oder Schwerpunktsetzungen liegt ein Fehler in der Betrachtungsweise der entwicklung der Wertkritik durch die Autoren. Ich nehme mal an (schliesze mal von meiner Entwicklung auf die anderer), dass am Anfang die Festellung stand, dass das Proletariat vollkommen in die Bürgerliche Gesellschaft integriert ist, kaum Klassenkämpfe im kämpferischen Sinne stattfinden und wenn sie es doch tun sie keinerlei über die Verhältnisse hinausweisenden Charakter haben. Auch zeigt eine beschäftigung mit der historischen Arbeiterbewegung, wie sehr sie im bürgerlichen Denken verstrickt war. Und wenn mensch das auch wahrnimmt, stellt sich die Frage nach dem Warum. Und dann ist es nicht weit zu Ideologie, Fetisch, Ware, Wert, Arbeit und dem ganzen „Zirkulationsmarxistischen“ kram.
Es ist also nicht so, dass der Zirkulationsmarxismus „die Bedingungen und Möglichkeiten für emanzipatorisches Handeln theoretisch“ abschafft weil „der Klassenkampf […] zum systemimmanenten Binnenverhältnis des Kapitalismus.“ erklärt wird, sondern es sind Erklärungsversuche für die Beobachtung, dass Klassenkämpfe systemimmanent sind.
Auch wenn Hanloser und Reitter den Zierkulationsmarxismus theoretisch in der Luft zerfetzen würden und alle ihre „Gegner“ das weite Suchen würde, der Klassenkampf würde keine renaissance erleben und uns dem Communismus nicht näher bringen…

Von Reitter gibt es in den Grundrissen auch eine kritik am „Kapitalismus ohne Klassenkampf“ in Heinrichs „Einführung in die kritik der politischen Ökonomie“ und darauf gibt es eine sehr lesenswerte Antwort von Michael Heinrich. Dort kann auch die von mir oben ausgesparte inhaltliche Kritik an der Fixierung auf die Klasse und den Klassenkampf nachgelesen werden.

und weils passt:
Mané zu Klasse und Klassenbewusstsein
Bei Dünnes Eis gibt es 8 Stunden Kapitalismuskritik. Eine Sammlung von Vorträgen von Michael Heinrich, unter anderem zu „Klassen und Klassentheorie“ welchen ich jedoch noch nicht gehört habe und nix zu sagen kann.

zum schluss ein paar Worte von Günther Jacob:

Die Pointe am Kapitalismus ist, daß unter den von ihm gesetzten Umständen bewußt handelnde, mit Willen und Verstand ausgestattete Personen aufeinanderprallen wie die Atome im Elektronensynchrotron und dabei etwas Neues, ein Resultat, erzeugen, das die so alle nicht gewollt haben. Jeder wollte nur sein kleines Glück machen, und alle ließen sich dazu etwas einfallen: einen Halbtagsjob, ein neues Produkt, eine geschickte Geldanlage . . . Und am Ende gibt es dann neben all dem noch überschüssige Arbeitskräfte, anlagesuchende Geldmassen, Atomkraftwerke, Waffenexporte, schlechte Zeitungen und überlastete Psychiater

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

1 Antwort auf „Realität ist nur Krampf, im Klassenkampf!“


  1. 1 mané 29. Juli 2008 um 8:15 Uhr

    zirkulationsmarxismus scheint eine wortschöpfung von harnloser und reitter zu sein.
    reitter schreibt dazu auf seiner hp: „Der Zirkulationsmarxismus ist keine einheitliche Strömung im Marxismus, sondern eine Lesestrategie, die zumeist vermischt mit anderen Elementen, insbesondere als Wertkritik, auftritt. Er entnimmt der Analyse der Oberfläche der Zirkulation, also dem ersten Abschnitt des Kapital, sein grundlegendes Verständnis der kapitalistischen Produktionsweise und interpretiert die gesamte Theorieentwicklung der weiteren Bände des Marxschen Hauptwerks aus dieser Perspektive. Diese Methode wird einer grundlegenden Kritik unterzogen. Indem wesentliche Kategorien der Marxschen Gesellschaftskritik erläutert werden, zeigen sich die Unterschlagungen und Verballhornungen des Zirkulationsmarxismus.“

    werd mir das buch aber die nächsten tage auch besorgen, 64 seiten klingt ja vom umfang her doch sehr angenehm;)

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.