Anschlag auf jüdisches Gemeindehaus in Pinneberg

Anonymer Anrufer schreit „Sieg Heil“

Für die jüdische Gemeinde in Pinneberg gibt es keine Zweifel: Neo-Nazis haben den Anschlag verübt.

Äußerlich wirkte Wolfgang Seibert gestern gelassen. Doch der Anschlag auf die jüdische Gemeinde in Pinneberg hat bei dem Gemeindevorsitzenden Spuren hinterlassen. „Es ist mein Bestreben, dass jüdisches Leben in Pinneberg Normalität wird“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Veranstaltungen der jüdischen Gemeinde seien in der Vergangenheit deshalb nicht besonders geschützt worden. Doch diese Normalität scheint es nicht zu geben. Wenn am Donnerstag in der Heilig-Geist-Kirche an der Ulmenallee Jiddische Lieder und Klezmermusik ertönen, dann wird ein Wachdienst aufmerksam das Geschehen verfolgen.
Das ist eine Folge des Anschlags, den ein Unbekannter gestern Morgen auf das jüdische Gemeindezentrum in der Oeltingsallee 20 a verübt hat. Mit großer Wucht hat ein vermutlich Rechtsradikaler einen Pflasterstein durch eine Scheibe in den Gemeinderaum geschleudert. Ein 1,14mal 0,90 Meter großes Loch ist das Resultat der Attacke.
Zwischen 6 und 11 Uhr muss der Unbekannte den Stein geworfen haben. Am frühen Morgen war noch alles in Ordnung“, berichtete Seibert. Gegen 11 Uhr rief eine Nachbarin an und berichtete von der Zerstörung.
Schon zu diesem Zeitpunkt war für den Gemeindevorsitzenden klar, dass es sich nur um einen Anschlag von Neo-Nazis handeln kann. Diese Vermutung sollte um 11.55Uhr bestätigt werden. Ein anonymer Anrufer meldete sich bei der Gemeinde und drohte: „So etwas kann öfter passieren. Ihr habt keine Ruhe mehr.“ Laut Seibert schrie der junge Mann am anderen Ende der Telefonleitung noch „Sieg Heil“ und legte auf.
„Das ist nicht das erste Mal, dass wir es mit Attacken von Rechtsradikalen zu tun haben“, sagte Seibert. NPD-Aufkleber wurden in unmittelbarer Nähe des Gemeinde zentrums angebracht, Seibert wurde bepöbelt, und es wurde eine Hochzeit gestört. Die Ursache für den Terror glaubt Seibert zu kennen. „Das liegt wohl daran, dass sich die Pinneberger Gemeinde sehr stark im Kampf gegen Neo-Nazis engagiert“, sagte er.
Der Anschlag hat nicht den Anschein, als sei er einer spontanen Eingebung entsprungen. Denn der Pflasterstein – der von der Kriminalpolizei zur Sicherung von Spuren mitgenommen wurde – muss von dem Täter mitgebracht worden sein. In unmittelbarer Nähe, das haben erste Überprüfungen ergeben, wurde er nicht aus dem Weg gerissen.
Der Steinwurf wird für die jüdische Gemeinde in Pinneberg weitreichende Konsequenzen haben. Bei Seminaren im Zentrum werden die Vorhänge künftig wohl zugezogen bleiben. Die Gemeinde ist zudem auf der Suche nach einer neuen Bleibe. „Dort wird es Sicherheitsglas und Bewegungsmelder geben“, kündigte Seibert an.

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Es sei hier auch nochmal verwiesen auf das Interview vom FSK mit Wolfgang Seibert unter anderem zu den Anfeindungen gegen ihn auf der Antifaschistischen 1. Mai Demonstration in Hamburg wegen einer mitgeführten Israelfahne.
Zu finden bei freie-radios.net
[via]

fight antisemitism

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