Archiv für Dezember 2007

Kultur ist doch nicht Müll + Frohe Weihnachten

Ich habe heute bei der Zugfahrt Richtung Heimat endlich mal das AIB-Spezial zum 8. Mai 2005, „Vergessen, Verschweigen, Vereinnahmen – Erinnerungskultur in Deutschland“, durchgelesen. Lag schon eine Weile auf meinem schon erwähnten noch zu lesen Stapel.
Und ist auch ganz lesenswert. Aber auf der letzten Seite, wo Buchrezensionen zu finden sind, empfand ich es dann doch als merkwürdig wie wichtig es dem AIB scheinbar ist Adornos Aussage, dass es nach Auschwitz keine Literatur mehr geben könne, zurückzuweisen.
Zu dem Buch „weiter Leben: eine Jugend“ von Ruth Klüger in welchem sie ihre über ihre Erlebnisse in den Konzentrationslagern berichtet schreibt der/die Rezensent_in: „Zu ihrem Leben in Auschwitz sagt sie: „Ich habe den Verstand nicht verloren, ich hab Reime gemacht“. Damit wendet sie sich gegen das Diktum Adornos, dass nach Auschwitz Gedichte zu schreiben barbarisch sei.“
Und die Rezension zu dem Buch „Ist das ein Mensch?“ von Primo Levi schließt ab mit: „Das Werk des Italieners kann als Kontrapunkt zu T.W. Adornos Diktum, nach Auschwitz könne es keine Literatur mehr geben, gelesen werden.“
In der Rezension wird aber vorher selbst noch erwähnt, dass Primo Levi sich aufgrund des Erlebten, was die Grundlage für sein autobiographisches Buch ist, selbst das Leben genommen hat.
Es gibt mehr als Genug Beweise dafür, dass es nach Auschwitz noch Literatur geben kann. Doch diese tun einfach so als wäre nichts gewesen. Als hätte es nie die industrielle Vernichtung von Menschen gegeben. Und mit den Gedichten welche barbarisch sind, sind sicherlich nicht solche gemeint welche versuchen das erlebte Grauen zu verarbeiten. Sondern solche, welche von dem schönen Frühling handeln. Sie ist deshalb barbarisch weil sie nur so strotzt vor bürgerlicher Kälte. Ohne welche es sich aber kaum leben lassen würde.
Und Adorno hat seine Aussage, dass es nach Auschwitz keine Literatur mehr geben könne ja auch selber in der Negativen Dialektik zurück genommen und sie dahingehend verändert, dass nach Auschwitz alle Kultur Müll sei. Und sie war es wohl auch schon vorher, war sie doch nicht im Stande Nationalsozialismus und Vernichtungslager zu verhindern.
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und dann wünsche ich ihnen, werte Leserinnen und Leser, noch schöne Weihnachtstage!

obwohl ich dieses Jahr wieder meinen Rekord in unweihnachtlichkeit breche. Obwohl ich dieses Jahr meinen Adventskalender sogar den Traditionen entsprechend geleert habe: Jeden Tag ein Stückchen Schokolade. Und nicht 5 Tage keins und dann aber gleich 7 oder so. Und sogar das gucken fast eines ganzen Weihnachtsfilms hat nichts geholfen!!!

Magdeburg bei Hamburg

Rassistischer Übergriff auf kurdischen Asylbewerber in Boizenburg

Am Sonntag, den 25.11.07 kurz nach 21 Uhr wurde nahe vom Bahnhof Boizenburg /Elbe ein kurdischer Asylbewerber aus der Türkei auf offener Straße von Rassisten misshandelt. Aggressiv fragte ihn jemand aus einer Gruppe, die vor dem Bahnhof stand, ob er Ausländer sei. Als er bejahte, schlugen fünf Männer mit Fäusten, Flaschen und Bierdosen auf ihn ein. Der blutende Mann versuchte, sich in einen Kiosk in der Nähe vom Bahnhof zu retten. Die Frau, die dort arbeitete, hatte ihn vor dem Übergriff laut gefragt, ob er Ausländer sei. Darauf hatte er nicht geantwortet. Jetzt, wo er sich vor den prügelnden Rassisten retten wollte, verwehrte ihm die Frau Hilfe im Kiosk. Dieser Vorgang animierte noch mehr von den ausländerfeindlichen Schlägern, auf den Kurden einzuprügeln. Ungefähr 20 Rassisten misshandelten ihn, ohne dass irgendjemand zur Hilfe kam. Schließlich gelang es ihm zu fliehen.

Im Lager Horst, wo der Asylbewerber leben muss, rief ein Freund einen Arzt. Dieser überwies ihn nach der Notversorgung ins Krankenhaus nach Hagenow, wo er drei Tage wegen Gehirnerschütterung und Prellungen, vor allem des Brustkorbs, behandelt wurde. Auch eine Woche nach dem Überfall leidet der Mann an Schmerzen und muss weiter Medikamente nehmen. Eine psychiatrische Behandlung wegen des Traumas verweigert die Lagerärztin.

Obwohl die Polizei wegen der Heimreise von Hansa Rostock Fans vom Spiel in Hamburg vor Ort war, musste der Misshandelte nach seinem Krankenhausaufenthalt selber Anzeige erstatten. Der Staatschutz übernahm die Ermittlungen und bestellte den Kurden nach Schwerin, wo er aus einer Sammlung von 560 Fotos Täter identifizieren sollte. Er ist sich sicher, dass er fünf oder sechs der Täter wiedererkennen würde, aber nicht aus einer solchen Menge von Porträtaufnahmen.

Viele Flüchtlinge, die im Lager in Horst leben müssen, machen immer wieder die Erfahrung rassistischer Angriffe in Boizenburg und Umgebung. Um gewalttätigen Übergriffen zu entgehen, vermeiden es viele, in der Dunkelheit das Lager zu verlassen. Ein Lagersystem, das Flüchtlinge in abgelegene Orte aussondert, fördert die rassistische Grundstimmung in einem Land, das schutzsuchende MigrantInnen als Belastung definiert. Der strukturelle Rassismus wird z.B. in der menschenverachtenden Politik deutlich, die es den Flüchtlingen verbietet, den Landkreis, dem sie zugewiesen wurden, zu verlassen (Residenzpflicht). Das führt in Horst ganz konkret dazu, dass die Flüchtlinge nicht nach Lauenburg gehen dürfen, obwohl dies näher ist und sich viele dort sicherer fühlen als in Boizenburg.

Stoppen wir die rassistischen Übergriffe!
Weg mit dem Lagersystem und der rassistischen Residenzpflicht!
Schluss mit dem Wegschauen: Mischt Euch ein und tretet den rassistischen GewalttäterInnen entgegen!
Offene Grenzen und gleiche Rechte für Alle!

Demonstration in Boizenburg am Samstag, 22.12.2007 um 11 Uhr
Auftaktkundgebung am Bahnhof und Demonstration zum Marktplatz

Abfahrt für Leute aus Hamburg: Hauptbahnhof 10.28 Uhr, Gleis 6a

Antifa heißt Angriff!

I survived „…ums ganze!“ Kongress 2007!

die letzten drei Tage war er nun gewesen, der „…ums ganze!“ Kongress in Frankfurt/Main. Von (Post)operaismus bis Wertkritik. Und Phex war dort!
Und war so wie ich es erwartet hatte. Ein seht netter Roadtrip, ein wenig Bekanntschaften gemacht und gepflegt. Aber inhaltlich war es nicht so ergiebig.
Ich werde nun nichts zu den verschiedenen Podiumsdiskussionen und so schreiben, dafür fehlt mir die Zeit.
Aber insgesamt glaube ich, dass Postoperaismus und Wertkritik sich einfach nicht viel zu sagen haben. Letztere hat den Anspruch radikale Gesellschaftskritik zu üben und mit dem ganzen scheiß Schluß zu machen und erstere scheint mir recht diffus, hat zu Gesellschaftskritik nicht viel zu sagen, bringt immer nur Beispiele von Sozialen Kämpfen und gibt sogar zu grundlos optimistisch zu sein.

Mir hat der Kongress auf jeden Fall in der Hinsicht was gebracht, dass ich nun mal ein bischen postoperaistischen input aus erster Hand genießen durfte. Diese haben zwar nur was ich erwartete Bestätigt, aber hätte ja auch anders sein können.
Eine große Differenz zwischen Postoperaismus und Wertkritik ist wohl auch, dass erstere davon ausgehen die sozialen Kämpfe welche stattfinden drängen den Kapitalismus immer weiter zurück. Dieser dringt in immer weitere Bereiche der Gesellschaft voran, weil er durch den Druck der „Multitude“ zum ausweichen gezwungen ist. Wenn der Punkt erreicht ist wo er nicht mehr ausweichen kann wird er durch die gesamtheit der sozialen Kämpfe, die Multitude, hinweggefegt und die befreite Gesellschaft ist *schwupps* da.
Die Wertkritik legt dagegen dar, dass die menschen durch den fetischismus des kapitalismus diesen stetig reproduzieren werden, um es mal ganz verkürzt zu sagen.
Eine Bewegung welche die Warenproduzierende Gesellschaft nicht abschaffen will, wird dies auch nicht tun, auch wenn die Postoperaisten ihr dieses gerne andichten.
Die Multitude wird bei den Postoperaisten ähnlich metaphysisch aufgeladen wie die Arbeiterklasse im traditionellen Marxismus.
naja… genug dazu. Ich empfand es in den Podiumsdiskussionen als ein bischen schade, dass die Referentinnen auf dem Podium meist mehr Wert auf die Gemeinsamkeiten legten und nicht die unterschiede Suchten und anhand von diesen diskutierten.
Die Vorträge wurden glaube ich auch mitgeschnitten und erscheinen dann ja hoffentlich auch bald als audios.

Bei Emanzipation oder Barbarei gibts auch eine etwas umfassendere Kongresszusammenfassnug.
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Und am 20.12 liest Bini Adamczak im Hörsaal m in der Edmund-Siemers-Allee 1 aus ihrem neuen Buch „Gestern Morgen – über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die rekonstruktion der Zukunft“
Bini Adamczak - Gestern Morgen

Vom Hitler-Stalin Pakt bis zur Oktoberrevolution kreisen die Überlegungen Adamczaks um die Figuren von Partei und Klasse von Verrat und Verpsrechen, um sie in ihrer Logik, aber vor allem als Erfahrungen zu rekonstruieren. Die Autorin sucht das Trümmerfeld der Geschichte nach den revolutionären Wünschen ab, die darunter begraben liegen. Aber es gibt keinen unbeschadeten Zugriff auf die vergessenen Träume. Der Weg zu den vergangenen Hoffnungen führt über das doppelte Scheitern der russischen Revolution, das unbewältigt immer noch anhält. Die bergende Arbeit an der geschichte ist somit eine Arbeit der Trauer, eine Trauerarbeit, die das Buch einfordert und zugleich performativ vollzieht. Es birgt eine vergangene Zukunft, die Gegenwart hätte sein können und Zukunft sein kann: „gestern morgen“. „Kommunismus für Kommunistinnen“

Ich lese das Buch auch gerade, bin aber noch nicht sehr weit weswegen ich da noch nicht viel zu sagen kann… es liest sich meist mehr wie eine Erzählung als ein Sachbuch, wie ich das finde weiss ich noch nicht.

Dennis Arbeitsplatz

Bin eben beim wirren durchs Internet surfen auf eine Homepage zum Film Deckname Dennis gestoßen! Oder die Seite ist wirklich die Seite der Firma welche den Film gedreht hat, aber dann würde er da ja beworben werden ;) … aber im Film gibt es gar keine Firma sondern da ist Dennis Agent beim CIA glaube ich… naja, möchte es der Welt nicht vorenthalten.

DDC TV

Die Aktuellen Projekte hören sich auch recht vielversprechend an! :)

Und ich gehe jetzt mal aus dass der Film Deckname Dennis bekannt ist, wenn nicht: anschauen lohnt sich! Sehr unterhaltsam!

Deckname Dennis

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Verspreche mir nicht zu viel davon, aber zumindest als Soziales Ereignis sicherlich die Reise wert.
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Und noch kurz: Göttingen du Dorf, du rockst! :)