anarchie ’07

Die anarchistische Föderation Berlin stellt sich die anarchistische Gesellschaft vor wie ein Team Wissenschaftler auf einer Mars-Kolonie:

Oder werden dort nur äußerst spezialisierte Fachkräfte sein, die ihren Job beherrschen, gern machen und vernünftig zusammenarbeiten? In Teams, die verzahnt miteinander kooperieren, sich nicht gegenseitig behindern? Vernünftige, gewaltfreie Menschen, gewohnt, kritische Situationen mit Distanz zu meistern, Probleme in vernünftiger, sinnhafter Weise zu lösen und Konflikte in gegenseitigem Anerkennen? Die Differenzen aushalten und auf körperliche und mentale Defizite mit Verstand reagieren? Die gleichberechtigt Entscheidungen treffen und tun, was sinnvoll ist, nicht was ihnen wer befiehlt?
Das wäre dann Anarchie. Herrschaftsfreiheit.

anarchy on mars
Also ich habe mir Anarchie immer anders vorgestellt als einen haufen Wissenschaftler die jeden morgen lächelnd zur Arbeit tanzen und gewissenhaft ihren Job machen. Überhaupt dachte ich immer, dass „Jobs“ zu dem Teil dieser Gesellschaft gehören, welche abgeschafft werden sollen.
Und auch kritisiere ich die kapitalistische Gesellschaft doch nicht wegen magelnder effizienz, wie es bei ihnen den Anschein macht.
naja… aber die anarchistische Föderation hat bei mir bis jetzt eh keine guten Eindrücke hinterlassen… ich glaube eine kritische Auseinandersetzung mit dem Anarchismus ist schon sinnvoll, auch wenn das meiste wohl verworfen gehört und nur historisch interessant ist.
Aber leider begnügen sich die meisten AnarchistInnen damit die drei Klassiker Proudhon, Bakunin und Kropotkin (welche sich eigentlich gegenseitig ziemlich widersprechen) hochzuhalten.
Außnahme ist wohl der Postanarchismus, mit welchem ich mich noch nicht wirklich befasst habe (Habe aber noch ein Buch auf meinem leider meist nicht schrumpfenden sondern wachsenden noch-zu-lesen-stapel).

Und hier kann mensch ihre „Hymne fürs 21. Jahrhundert“ hören. naja….
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Und dann sei noch kurz auf die 140 Jahre Kapital Tagung der Masch hingewiesen. Die Referenten sagen mir zum Großteil nix, aber die Titel der Veranstaltungen hören sich schon interessant an. Und von Nadja Rakowitz wollte ich schon länger mal eins ihrer Bücher lesen.
Leider bin ich an dem WE aber nicht in Hamburg weil ich Egotronic hinterherreise! ;)
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und noch etwas, habe gerade Entdeckt dass es eine sogenannte „Antifa-Debatte“ bei einigen liberalen Bloggern gibt. Habe da nur ein paar Sachen kurz überflogen, aber dieser Beitrag verdient es dann doch gewürdigt zu werden.
Vielleicht war vor ein paar Jahren ja Antifa wirklich noch anders oder ich verkehre in den „falschen“ Kreisen, aber was Herr Holmes da herbeihalluziniert ist echt absurd.
Oder er bringt da was durcheinander und war früher nicht wie er sagt in „der Antifa“ sondern bei irgendwelchen Autonomen Nationalisten. Auf jeden Fall schreibt Herr Holmes, dass es zum größten Hobby von Antifas gehört Listen anzufertigen. Und auf denen „stehen nicht nur ortsbekannte Neonazis drauf. Da stehen dann – je nach Geschmack – auch die Namen einer Menge von konservativen oder liberalen, manchmal auch von grünen oder sozialdemokratischen Politikern, von Unternehmern oder religiösen Führern und natürlich von Aussteigern drauf.“
Denn am Tag der Revolution wird die Antifa durchs Land wüten und alle an die Wand stellen welche nicht Hammer und Sichel auf die Wange tätowiert haben. Klingt da ein bischen paranoia durch?
Er hat wohl sicher recht damit, dass der größte Teil der Antifa kommunistisch, communistisch, oder anarchistisch ist. Aber der Teil der Antifa, welcher unter Kommunismus eine Leninistische Diktatur des Proletariats mit stalinistisch durchgesetzter Zentraler Planwirtschaft versteht ist dann doch eher gering.
Kritik an der Antifa ist ja oft genug bitter nötig… aber doch bitte nicht so ein unfug!
Beim Bad Blog gibts mehr dazu

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1 Antwort auf „anarchie ’07“


  1. 1 Besserscheitern 27. November 2007 um 12:07 Uhr

    Zur Frage wie Arbeit den unter den Bedingungen der „Vernünftigen Einrichtung der menschlichen Verhältnisse“ aka Kommunismus ausehen könnte/müsste und warum sie in der SU durch eine gewaltsame historische Aufholjagd eines unterentwickelten Landes gegenüber dem westeuropäischen kapitalistischen Alltag geprägt war, gibt es in der (noch) aktuellen Jungle World ein lesenswertes Dossier.

    Puhh. Mordssatz. Aber das Dossier ist als Einstieg ins Thema wirklich gut.

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