immer dieses entweder oder…

so, aufgrund dieser Diskussionsveranstaltung von GWG-Köln und MAD möchte ich hier mal wieder ein politisches statement abgeben. Es ist zwar nur eine Diskussion, und was dabei rauskommt ist so noch offen, aber schon die Fragestellungen finde ich verklärend.

Ich verstehe nämlich immer dieses Entweder oder nicht. Wieso wird dort die frage so gestellt, als gäbe es ein entweder gegen Islamismus, oder gegen Nazis? Natürlich ist es so, dass global gesehen der Islamismus eine weit größere Bedeutung hat als die aktuellen Nationalsozialisten. Aber welche Konsequenzen soll ich daraus in einer Kleinstadt im Osten ziehen, wo die Nazis quasi schon hegemoniell sind. Es ist offensichtlich, dass der Staat so schnell nicht eingreift. Einen Aufstand der Anständigen wird es erst dann wieder geben, wenn ein Fall International Aufsehen erregt.
Und es ist vielleicht so dass Antifa, aber das hat realpolitik allgemein so an sich, sich erstmal für ein „besseres deutschland“ einsetzt. Aber überspitzt wäre die Alternative ja sich niemals den Nazis in den Weg zu stellen, weil auch das verhindern von Pogromen „nur“ ein besseres Deutschland ist.

Und in den meisten Teilen Deutschland ist es wohl so, dass die deutsche Ideologie in form des Nazismus auftreten wird und nicht in der Form des Islamismus. Glaube kaum dass hier bald alle Leute zum Islam konvertieren um dann in neuem Gewand gegen Juden und Egoisten zu felde zu ziehen.

Und eine allgemein formulierte Kritik an Gemeinschaftsideologien, Antiaufklärerischem und antiindividualistischem denken ist auch immer eine Kritik an Islamismus und Nazismus.

Also ich denke dass man sich als kommunist_in/anarchist_in/antifaschist_in natürlich gegen den Islamismus positionieren muss. Aber hier gilt es sich den hier auftretenden reaktionären Bewegungen entgegenzustellen! Das können auch Islamisten sein, werden aber meist wohl doch die Nazis sein.

Und da die Diskussion bei dem Thema Sexismus auch oft in dieses Entweder oder schema verfällt. Ich denke mal es ist auch möglich den Sexismus in dieser Gesellschaft zu kritisieren ohne darüber schweigen zu müssen, dass es woanders auf der Welt noch viel schlimmer ist.
Und umgekehrt.

joa…. mein Wort zum Montag!

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11 Antworten auf „immer dieses entweder oder…“


  1. 1 ostblogger 17. Oktober 2006 um 9:34 Uhr

    phex erklärt die politik. Aber du hast ja in den ansätzen recht. Es ist durchaus wichtig auch abseits der gutbürgerlichen Gesellschaft seinen Protest gegen Nazis zu formulieren und klar zu machen das man nicht nur gegen Nazis, sondern auch gegen den Hauptfeind (aka. das eigene land) zu sein. Ansonsten ist es völlig klar das mensch sich gegen die anderen bereiche die u ansprachst auch postioniert und sie nicht aufgrund möglicher unaktualität verschweigt.

    mein wort zum morgen

  2. 2 franz 17. Oktober 2006 um 15:25 Uhr

    bitte um ein krze begriffserklärung zu „deutsche ideologie“ :?

  3. 3 phex 17. Oktober 2006 um 15:52 Uhr

    ich bitte um ergänzung, aber deutsche Ideologie ist so in etwa die kurzform für Gemeinschaftsideologie, Antiaufklärerischem und antiindividualistischem denken. Die deutsche Ideologie ist das aufbegehren gegen teile der Moderne… welche dann meist im Antisemitismus endet.
    Der Nationalsozialismus und die Vernichtung der europäischen Juden waren der Höhepunkt dieses „aufbegehrens“, deswegen deutsche ideologie.

    ich glaube genau definiert wurde der begriff deutsche Ideologie nie…

  4. 4 eisprinzessin 17. Oktober 2006 um 16:15 Uhr

    oh phex,

    das ist aber ein schlimmes theorieverständnis, dass du da an den tag legst. so wird das aber nix mit dem antideutschseinwollen…

    der begriff wurde sogar einmal von DEN klassikern per buch definiert, wie es da mit der auslegung irgendwelcher antifa-splittergrüppchen aussieht sollte für die debatte darum unrelevant sein: http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_009.htm

    und dann dieses alberne gewimmere über das ach so böse „entweder oder“. also bitte, du hast es hier mit deutschen linken zu tun, die in ihren kirchen machtpolitik gegeneinander betreiben mit dem erfolg des sekundären krankheitsgewinn. aber das ist nun wirklich keine neue erkenntnis.

    geh mal raus aus deinem blog und wage dich in die große weite welt der bündnistreffen, demos und diskussionsveranstaltungen. da wirst du das alles sehr genau studieren können.
    keine lust vom rechner aufzustehen? auch kein problem, denn der genosse zovjet hat ja dankenswerter weise eine recht gute innenansicht der mechanismen geliefert: http://zovjet.blogsport.de/2006/08/23/find-me-the-last-unicorn/

  5. 5 franz 17. Oktober 2006 um 17:14 Uhr

    ok danke aber wieso ist das spezifisch deutsch? kannte bisher nur die „dt. ideologie“ von marx die hat mit deinerdefinition aber herzlich wenig zu tun …

  6. 6 phex 17. Oktober 2006 um 18:40 Uhr

    habe „die deutsche Ideologie“ von Marx bisher noch nicht gelesen. Worauf läuft es denn bei ihm und Engels hinaus?

  7. 7 fragezeichen 24. November 2006 um 13:07 Uhr

    und nun? wie war die veranstaltung? ist ja mittlerweile gewesen und wie man hören konnte, keineswegs ein entweder-oder, auch kein islamismus der neue NS gepredige. viel aufregung im vorfeld, jetzt stille im blogwald?

  8. 8 phex 24. November 2006 um 17:10 Uhr

    ich war nicht da und habe leider seitdem auch nicht wieder was davon gelesen… aber wenn du mehr davon weisst wäre es nett wenn du noch ein paar Sätze dazu schreiebn könntest!

  9. 9 fragezeichen 25. November 2006 um 17:56 Uhr

    kann auch nur berichtetes wiedergeben:
    die positionen beider gruppen lag insgesamt nicht allzu weit auseinander, beide waren sich darin einig, dass antifa im schlimmsten fall staatstragend ist und im besten falle eine konformistische rebellion darstellt. die gwg empfahl dann, in potenzierung der wertmüllerschen dummheit den wegzug aus gebieten wo nazistress an der tagesordnung ist. soziale realitäten und weitere zwänge, die einen wegzug verhindern einfach mal ausblendend. mad köln betonte hingegen, antifa arbeit sei zwar nicht revolutionär, aber manchmal notwendig um die von der gwg geforderten „kritik&polemik“ überhaupt im öffentlichen raum äußern zu können. antifa also manchmal notwendig und somit zu befürworten, aber man dürfe sich keine illusion darüber machen. mad führte eine unterscheidung von ns-tabu zonen und nbz ein, meines wissens nach eine sache die das bgr leipzig mal aufgebracht hat, machte wohl alles sinn.
    den interessantesten aspekt soll aber das dargestellt haben, wo mad köln über die antifa sache zur allgemeinen aspekten linker politik kam. sie haben wohl eine aneignung der „kritik der politik“ im sinne johannes agnolis gefordert, egal wie man politik betreibe, sie sei immer eine „konformistische rebellion“. gab da wohl noch beispiele, alles ausführlicher und mit breitseiten gegen die gwg und ihre, genau, politik. in der anschließenden diskussion wurde das vom publikum laut meiner quelle aber nicht aufgegriffen, da ging es dann eher um nebensätze und deren auslegung. nicht so fruchtbar scheinbar, aber so ist das wohl, wenn man den politik checkern vor den kopf wirft, man müsse das politik machen aufgeben und stattdessen kritik betreiben (was die gwg von sich wohl auch behauptete, von mad dies aber angezweifelt wurde und ebenfalls als politik machen bezeichnet, mehr weiss ich leider nicht).

    wäre interessant und zu wünschen, es käme von mad diesbezüglich noch mehr.

  10. 10 informant 06. Dezember 2006 um 21:51 Uhr

    das referat von mad köln ist nun auch auf deren seite lesbar, bei der gwg findet man aber nichts entsprechendes
    http://www.mad-koeln.de/

  11. 11 phex 06. Dezember 2006 um 22:16 Uhr

    thx

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