Kritik und Politik

In der letzten Ausgabe der Jungle World findet sich in dem Artikel über die FDP Spendenaffäre im letzten Abschnitt noch ein Hinweis an die fundamentale Kritik der kapitalistischen Gesellschaft welcher so oder ähnlich öfters zu vernehmen ist:

In der radikalen Linken gehörte es in den vergangenen Jahren zum guten Ton, selbst die offensichtlichsten Unverschämtheiten der Charaktermasken in Kabinett und Kapital abgeklärt als normale Begleiterscheinungen des Alltags im Kapitalismus abzutun. Man kaprizierte sich darauf, all jene als Populisten, Naivlinge oder gar als Propagandisten einer verkürzten personalisierenden Kapitalismuskritik zu bezeichnen, die sich über Bonuszahlungen an Manager, aus schwarzen Kassen finanzierte gelbe »Gewerkschaften« und erkaufte Steuersenkungen empörten.

Was aber vor zehn Jahren noch als kalkulierter Tabubruch gegenüber einer gutmenschenhaft gedankenlosen und jeder gründlicheren Kapitalismuskritik abholden NGO- und Bewegungslinken durchgehen konnte, ist mittlerweile zur leeren Geste geworden, die kein nennenswertes Kritikpotenzial mehr beinhaltet. Wer sich über eine derart dreiste und korrupte Klientelpolitik nicht mehr empören kann, hat offensichtlich jeden gesamtgesellschaftlichen Blick verloren.

Es ist ja richtig, dass Empörung über, und bei Gelegenheit Widerstand gegen, besonders dreiste schweinereien angebracht und nötig ist. Und es ist zu bedauern, dass es in Deutschland keine Liberalen gibt welche das wirksam übernehmen könnten, und dass es scheinbar die Aufgabe der radikalen Linken zu sein hat diese Aufgabe zu stemmen.
Ich denke es sollte aber nicht der Unterscheid zwischen einer radikalen Kritik dieser Gesellschaft und praktischen Verbesserungsvorschlägen übersehen werden. Denn welche Konsequenz ergibt sich daraus, wenn die Korruption bei Parteien bemängelt wird oder auf besonders Arbeitnehmerfeindliche Praktiken eines Unternehmens hingewiesen wird? Die Korruption soll aufhören und der Arbeitnehmer soll netter zu seinen Untergebenen sein beziehungsweise die Arbeiterinnen und Arbeiter sollen sich nicht alles gefallen lassen und sich auch mal zu wehr setzen. Was sicherlich beides zu unterstützen ist. Aber wenn dieses dann geschehen ist hat man halt Parteien ohne unmittelbare Korruption und angenehmere kapitalistische Ausbeutung. Also immernoch Staat, Kapital, Nation, Ware, Arbeit…
Wird jedoch deutlich auf die Notwendigkeit hingewiesen, mit welcher im Kapitalismus Elend, Leid und Unvernunft produziert werden ist die Konsequenz eine andere: Diese Gesellschaft wie sie ist muss abgeschafft werden zugunsten einer durch die Kritik negativ bestimmten befreiten Gesellschaft: Communismus.
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Neuigkeiten von der Hamburger antiimperialistischen Front:

Zum einen gab es einenErneuten Überfall von B5-Aktivisten auf Antisemitismusgegner

Und zum anderen: am 11. Februar soll im Hamburger Kempinski-Hotel eine Irankonferenz stattfinden mit unter anderm Jürgen Elsässer, dem Menschen von Steinbergrecherche, dem iranischen Botschafter und anderen Freunden des iranischen Regimes. „Allen Referenten ist gemein, dass diese durch antisemitische oder menschenverachtende Äußerungen in der Vergangenheit von sich reden gemacht haben und die Diktatur im Iran propagandistisch unterstützen.

Die „Worker-communist Party of Iran“, die Solidaritätsinitiative „Peyvand“ und „Stop the Bomb“ rufen ab 17:00 Uhr vor dem Hotel (An der Alster 72-79) zu Protesten auf.

Mehr zu alledem bei Cosmoproletarian solidarity.

edit: Von der Hamburger Studienbibliothek gibt es nun auch einen Aufruf.

von schlechten Filmen und (vorraussichtlich) guten Veranstaltungen

vor wenigen Wochen kaufte ich mir, der Horrorfilme gerne mag und auch ihre billigen Varianten zu schätzen weiss, die DVD-Box Halloween – Untote. 8 Filme um sich öfters mal einen schönen Abend vor dem Fernseher zu machen.
Das habe ich gestern auch getan und mir den Film angeschaut mit dem, wie ich finde, erfolgsversprechendsten Titel: Zombie woman!
Wie im Vorspann zu sehen war hiess der eigentlich Zombienation, ein Film mit diesem Namen gab es in Deutschland aber wohl schon (oder es gab evtl Probleme wegen der Band zombienation welche verantwortlich ist für dieses coole Lied) und so musste halt einen anderer Name her. Machen auch beide gleich wenig Sinn eigentlich.
Um gleich auf den Punkt zu kommen: der Film ist der schlechteste (vielleicht der zweitschlechteste) Film den ich jemals gesehen habe. Ein paar lustige Momente hatte er schon, aber eher unfreiwillig. Als location gibt es ein paar Szenen draussen und sonst sind alle Szenen in einer Halle oder um die Halle rum gedreht worden. Und es wurde auch so gedreht, dass der aufmerksame Zuschauer, oder die aufmerksame Zuschauerin, das auch merkt. Die Schauspieler sind schlecht, die Dialoge sind schlecht, die Handlung ist dumm. Die Zombies sind gar keine richtigen Zombies.

Auf dem Originalcover wird einem ein fies dreinschauendes Zombiegirl präsentiert und die weiblichen Zombies im Film haben als Schminke nur ein bischen blau um die Augen rum! MEHR NICHT!!!! So schlechte Zombies habe ich noch nie gesehen! Und die reden auch ganz normal und so? WTF?
Und der Film ist zwar ab 18, es ist aber überhaupt nicht ersichtlich warum. Da wird kaum gemetzelt, kaum Blut, kaum Menschen die aufgegessen werden. Voll harmlos. Ich frage mich wer auf die Idee kommt einen low-Bidget-Horrorfilm zu drehen, und den dann ohne jede Liebe zum detail. Es gibt ja genug Filme die beweisen, dass gut nicht teuer sein muss.
Wie ich nun eben bei wikipedia gelesen habe ist der Film auf Platz 17 der Liste der 100 schlechtesten Filme. Da passt er auch hin.
Obwohl ich dem Film doch zugestehen muss, dass ich mich nicht gelangweilt habe. Es war doch ganz nett und unterhaltend anzusehen wie der Film sich immer wieder selber im niveau unterbot.
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this friday in Hamburg:

Entkorkte Flaschenpost
Die deutsche Student_innenbewegung der späten 196oer Jahre trat mit dem Anspruch auf, die bürgerliche Gesellschaft revolutionär verändern zu wollen. Zumindest in Berlin und Frankfurt gewann im SDS dabei auch die Kritische Theorie orientierenden Einfluss, die damals besonders Theodor W. Adorno in Frankfurt und Herbert Marcuse in San Diego (USA) vorantrieben. Die Kritische Theorie, die Adorno zufolge im Exil dazu gezwungen worden war, sich auf das Absenden einer „Flaschenpost“ zu beschränken, war nun mit aktiven Nachfolger_innen konfrontiert, die nach eigener Aussage die revolutionäre Praxis zur Kritischen Theorie suchten. Im Vortrag sollen die unterschiedlichen Reaktionen Adornos und Marcuses auf die Student_innenbewegung dargestellt und analysiert werden. Ziel ist es, in Hinblick auf die theoretische und politische Position beider Denker in den späten sechziger Jahren zu erklären, warum Marcuse die Protestbewegung so begeistert begrüßte, während Adorno sich immer mehr der Kritik des studentischen Aktionismus zuwendete. Im weiteren geht es einerseits um die Kritische Theorie, ihr politisches Selbstverständnis und ihr Verhältnis zu den Protestbewegungen der späten 196oer Jahre, andererseits wird in Rezeption der damaligen Debatten grundsätzlicher darüber nachgedacht, wie sich eine kritische Theorie der Gesellschaft gegenüber radikalen Protestbewegungen verhalten kann. Mit Adornos und Marcuses Ausführung liegen für diese Fragestellung gleichsam zwei Extrempositionen vor, von denen keine – so die These des Referenten – als die „richtige“ bezeichnet werden kann. Vielmehr zeigt der Streit zwischen den beiden Denkern, dass alle Überlegungen etwa zum Verhältnis zu Theorie und Praxis falsch bleiben müssen, solange die gesellschaftlichen Verhältnisse die falschen sind. Daher verspricht eine Reflexion über die Beschränktheit jeder eindeutigen Stellungnahme mehr Erkenntnisgewinn, als es eine jede Positionierung könnte.

Eine Veranstaltung der MASCH-Hochschulgruppe.

Referent: Hanning Voigts (Hamburg)
Termin: Freitag, o5.o2.2o1o, 18:oo Uhr
Ort: Universität Hamburg, Allendeplatz 1, Pferdestall, 1. Stock, Raum 138
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und dann sei noch kurze auf diese recht neue Zeitschrift hingewiesen:
outsidethebox
Habe bisher zwar noch nicht allzuviel darin gelesen, aber was ich las fand mein gefallen.

Trauern um Dresden heißt trauern um den NS

Der Dresden Mythos – Geschichtsrevisionismus am Beispiel Dresdens.

Der seit 1998 in Dresden, anlässlich der Bombardierung der Stadt im Februar ’45, stattfindende Naziaufmarsch hat sich als ein bedeutendes jährliches Großevent in der bundesweiten Naziszene etabliert. Spektrenübergreifend treffen sich jedes Jahr mehrere tausend Alt- und Neonazis um ihre geschichtsrevisionistische und Shoa verharmlosende Propaganda in die Öffentlichkeit zu tragen. Warum diese gerade in Dresden über Jahre hinweg nahezu ungestört möglich war, liegt an der allgemeinen Gedenkpraxis in Dresden. Jahreland fand hier eine fast ausnahmslose Stilisierung der Deutschen als Opfer statt. Die Ausblendung der Ursachen der Bombardierung sowie zahlreiche Mythen und Legenden boten Neonazis viele Anknüpfungsmöglichkeiten. In den letzten Jahren jedoch fand ein Wandel im Dresdner Gedenk-Diskurs statt, der sowohl eine artikulierte Abgrenzung von den Nazis als auch eine inhaltliche Verschiebung mit sich brachte. Doch trotz der offiziellen Entmythologisierung, Versachlichung und Kontextualisierung des 13. Februars bleibt das Dresden-Gedenken in seinem Kern geschichtsrevisionistisch und muss als solches kritisiert werden.

Der Vortrag gibt einen Überblick zum jährlich in Dresden stattfindenden Gedenken sowie dessen geschichtliche Entwicklung. Die Referent_innen gehen der These nach, dass das Gedenken in seinen verschiedenen Formen geschichtsrevisionistisch ist.

Heute/Dienstag, 26. Januar, um 19 Uhr in der Roten Flora


2 Filme: „Auschwitz – Zwei Dokumentationen“ (90 + 60 Min.)

Erster Film:

„Zeitabschnitte des Werner Bab“, 90 Min, Deutschland 1996, von Christian Ender

Der Holocaustüberlebende Werner Bab schildert in dieser Dokumentation seine Lebensgeschichte als jüdischer Bürger ab 1933 in Deutschland sowie das Leben und Sterben in den Konzentrationslagern, insbesondere in Auschwitz, Mauthausen und Ebensee.

Zweiter Film:

„Die Befreiung von Auschwitz“, 60 Min. Deutschland 1986, von Irmgard von zur Mühlen

Dieser Dokumentarfilm enthält alle Aufnahmen, die sowjetische Kameramänner nach der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945 gedreht haben. Ergänzt wird der Film durch Interviews mit dem Kameramann Alexander Woronzow, der die Soldaten begleitete. Gäste: Werner Bab und Christian Ender

Sonntag, 31. Januar 2010, 17 Uhr

Kommunales Kino METROPOLIS, Steindamm 52/54, 20099 Hamburg
Veranstaltet vom VVN/BdA Hamburg

neues Jahr

neues Glück


obwohl ich es leider gestern Nacht durchgespiel habe… und das Ende kam doch ein wenig plötzlich. :/

Hi Anarchospinner,

für hippieskes Gitarrengeklimper bin ich fa fast immer zu haben, aber: boooooooooooring. :)


(dennoch zu dokumentatorischen Zwecken hier veröffentlicht)

merry x-mas

und zu diesen schönen Tagen eine besinnliche Geschichte:

also euch allen meinen Leserinnen und Lesern und allen Menschen, besonders denen welche ich in letzter Zeit leider viel zu wenig gesehen habe, schöne Weihnachten und schonmal einen guten Rutsch ins neue Jahr!!!!!!!!!

I <3 winter


kampf der Klassenjustiz!


was auch immer eine nicht-Klassenjustiz sein soll. Erscheint ein wenig wie die Forderung nach dem echten „gerechten“ Recht. Naja… davon hat ja eigentlich keine_r geredet, außer mir.
Zumindest wurde der FAU-Berlin durch eine einstweilige Verfügung Verboten sich Gewerkschaft oder Basisgewerkschaft zu nennen. Also faktisch wurde ihr Verboten eine Gewerkschaft zu sein.
Ob dieses auch vor Gericht bestand hat kann ich nicht beurteilen, aber wer sich mal mit dem Gewerkschaftsrecht in Deutschland auseinandergesetzt hat wird mir sicherlich zustimmen, dass es nicht auszuschliessen ist. Als Gewerkschaft in Deutschland anerkannt zu werden ist nicht einfach, denn das Kriterium lautet „wirkmächtigkeit“. Es gibt zwar laut Grundgesetz die Koalitionsfreiheit, was das genau heisst wird aber nicht ausgeführt. Viel ausgeführt wird aber im Tarifvertragsgesetz und Betriebsverfassungsgesetz oder wo auch immer. Ist länger her das ich mich damit mal beschätigt habe. Zumindest darf quasi nur eine Gewerkschaft Tarifverträge abschliessen und eine Gewerkschaft ist nur, wer die „wirkmächtigkeit“ hat solche durchzusetzen. Was das im detail heisst bestimmt das Gericht.
Also eine Gewerkschaft aufbauen geht nur ohne eine Gewerkschaft zu sein bis man dann so etwa 500.000 Arbiterinnen und Arbeiter organisiert hat um einen Tarifvertrag durchzusetzen und da diese vielen Leute sonst rabatz machen bleibt ja eh nix anderes übrig als sie lieber als Gewerkschaft anzuerkennen um sie dann sogleich an ihre Friedenspflicht zu erinnern wenn sie den Tarifvertrag erfolgreich abgeschlossen haben.
Aber die Aufgabe des Staates ist es ja auch nicht nett und freundlich zu sein, sondern die Geschäftsbedinungen aufrecht zu erhalten. Und das geht offensichtlich mit einer Einheitsgewerkschaft ganz gut.
Wirre rede kurzer Sinn:
Fau Berlin: Verboten Kämpferisch!
Gewerkschaftsfreiheit verteidigen!
Info-Veranstaltung Fr, 18.12. 19 Uhr
Demo Sa, 19.12. 16 Uhr

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Um meinen Senf zur Demo gegen linken Antisemitismus zu geben bin ich ja etwas spät dran. Haben ja aber andere auch schon getan.
Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten
cosmoproletarian solidarity
schluss.mit.lustig
Hate your Heimat!

party

also wenn….

Ohne Shoah dürfte es Israel in den Augen jener Hamburger Gegner des Antisemitismus nicht geben;

ich finde diesen Artikel durchaus lesenswert und denke die Kritik trifft zum Teil aber wie sinnlos ist das denn so ein was-wäre-wenn-Spiel aufzumachen?
Meine These: wenn es die Shoah nicht gegeben hätte, würde es Israel nicht geben. Überhaupt war der Zionismus im allgemeinen ja eine Reaktion auf den Antisemitismus.
Darüber Diskutieren wir Israelsolidarisch man zu sein hätte wenn Israel einfach ein Staat unter anderen wäre können wir ja den Genossinnen und Genossen in dem Paralleluniversum überlassen wo dies der Fall ist.



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